Werner Scheck


Tiefe Liebe zur Natur trifft auf schwäbische Präzision

Als Werner Scheck  im Jahre 1949, 4 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges, in dem kleinen Mittelgebirgsdorf Waldrennach im Schwarzwald geboren wurde, war der Alltag dort noch von der Landwirtschaft und einem sehr einfachen, ruhigen Leben geprägt. In diesem Umfeld fehlten die Geräte völlig, die unser heutiges hektisches Leben bestimmen. Kein Radio, kein Bildschirm, kein Telefon, kein Auto; Computer und Smartphone waren eventuell Gegenstand von Science-Fiction, aber keine Realität.

Der Reichtum seiner Kindheit war die Natur des Schwarzwaldes, die direkt vor der Haustür begann, mit Streuobstwiese, kleinen Ackerflächen und Wiesen voller Schmetterlingen.  Hinter den Wiesen begann der Wald, der für ein Kind unendlich groß und mächtig erschien. Zur Unterstützung des kargen Einkommens wurden auf dem Hof Hühner, Hasen, Ziegen, ein Schwein und eine Kuh für den Eigenbedarf gehalten.

Hier verbrachte Werner Scheck seine Kindheit, unendlich viele Stunden wurden mit der Erforschung und dem Spiel mit Naturmaterialien in Wald, Feld, am Bachrand oder an einem Waldsee bei einer verfallenen Mühle zugebracht. Hier wurde seine tiefe Liebe zur Natur geweckt, die bis heute unvermindert anhält.

Als Erwachsener engagierte er sich für den Naturschutz lange bevor dieses Thema im allgemeinen Bewußtsein verankert war. Seine Tätigkeiten im Angelverein und als Heger und Jäger in verschiedenen Revieren des Schwarzwaldes begannen stets bei dem Schutz der natürlichen Bedingungen, die für das Gedeihen der heimischen Flora und Fauna Voraussetzung waren.

In der Zeit des Heranwachsens empfand er erste Affinitäten zur Metallbearbeitung beim Beobachten der Arbeiter in der damals noch betriebenen Dorfschmiede. Da die weltbekannte Schmuck- und Uhrenstadt Pforzheim mit ihrer langen Tradition in der Herstellung erstklassiger Uhren nicht weit entfernt ist, war es naheliegend, eine Ausbildung zum Werkzeugmacher anzustreben und die schwäbische Präzision in der Praxis eines soliden Handwerksberufes zu erlernen.

Werner Scheck machte in diesem Beruf seinen Meistertitel und hat viele Jahrzehnte in den Bereichen Uhrenindustrie, Feinmechanik und Kunststoffspritzgussmaschinen gearbeitet. Hier war höchste Präzision gefordert, denn ein Fehler im Bereich eines tausendstel Millimeters hätte zur Funktionsstörung einer Baugruppe geführt.

Seinen Geburtsort hat er nie verlassen. Die intensive Beziehung zu Natur und Heimat ließ ein Wohnen in der Stadt undenkbar erscheinen. In seinem heutigen Ruhestand bearbeitet er immer noch kleinere Aufträge aus dem Kunststoffsektor. Seine eigentliche Liebe aber gehört dem Drechseln. Hier findet die Präzision im Umgang mit dem Naturmaterial Holz zu einer ästhetischen und funktionalen Synthese.

Jedes von Werner Scheck kreierte Schreibgerät ist auf natürliche Weise ein Einzelstück, die individuelle Antwort auf das Stückchen Holz, welches er zur Bearbeitung zu einem Schreibgerät in die Hände nimmt. Bei diesem Prozess führen die Materialität, die Maserung und die Farbe des Naturmaterials Holz in seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu den Unikaten, die hier vorgestellt werden.

Formal lehnt er sich in seinen Arbeiten an biomorphe Formen an, die beim Gebrauch der Schreibgeräte zu einem intensiven Kontakt zwischen dem Menschen und dem Naturmaterial einladen. Der unterschiedliche Charakter der einzelnen Holzarten wird so bewusst sichtbar und erlebbar.

Tiefe Liebe zur Natur in Verbindung mit schwäbischer Präzision – dieses Zusammenspiel ist in jedem seiner Objekte erlebbar.
Gerd Fischer, 2021